«Was wird möglich, wenn ihr eure Daten öffentlich macht?»

Foto: Sebastian Sele

Nicht nur innerhalb des DIZH Public Data Lab (PDL) setzt sich Anna Sigrist für Open Data ein. Als Co-Geschäftsleiterin von Opendata.ch ist es ihr ein Anliegen, dass nicht schutzbedürftige Daten in der Schweiz öffentlich zugänglich sind. «Open Data ist ein abstraktes Thema, das immer noch zu selten Priorität geniesst», meint Anna. Wie sie mit dieser Herausforderung umgeht und wie ihr das PDL dabei hilft, erzählt sie im Interview.

Anna, weshalb macht ihr als Opendata.ch mit beim DIZH Public Data Lab (PDL)?

Anna: Für uns ist das DIZH Public Data Lab erstens vielversprechend, weil es alles rund um Daten vereint und verschiedene Institutionen daran beteiligt sind. Die einen erheben Daten und stellen sie zur Verfügung, andere arbeiten damit, analysieren sie, erstellen Indikatoren und stellen diese zur Verfügung. Das PDL will aber auch zeigen, was mit Daten alles möglich ist, warum sie wichtig sind, wie daraus Massnahmen oder Handlungen abgeleitet werden können und was Datenprozesse für unsere Gesellschaft bedeuten. Der zweite Grund ist die Nachhaltigkeit im digitalen Sinne, die uns ein grosses Anliegen ist und die auch fürs PDL zentral ist. Dazu gehören soziale Aspekte: Was lässt sich aus Daten in Bezug auf die Gesellschaft ableiten, zum Beispiel wie entwickelt sie sich, wie geht es ihr oder einzelnen Gruppen, aber auch, was lässt sich verbessern? Digitale Nachhaltigkeit umfasst weiter ökologische Aspekte: Wie lassen sich digitale Technologien nachhaltig gestalten? Was lässt sich aus Daten in Bezug auf Nachhaltigkeit herauslesen?


Wie siehst du eure Rolle im PDL?

Wir haben als Opendata.ch Zugang zu unserer Community sowie weiteren Gruppen und Organisationen, die für das PDL interessant sein könnten. Wir können Türen öffnen und Brücken schlagen, um das PDL breiter zu verankern und zum Beispiel gezielt Personen in die Flagships des PDL zu bringen. Innerhalb des PDL vertreten wir die Zivilgesellschaft und sorgen dafür, dass sich auch Akteur:innen aus der Zivilgesellschaft im PDL einbringen können. Zudem stehen wir für unsere Grundwerte – offene Daten, gleichberechtigter Zugang zu Daten, Nutzen für die Gesellschaft etc. – ein.


Was ist dein Ziel?

Ich würde mich freuen, wenn wir die Daten nicht nur veröffentlichen, sondern konkret aufzeigen können, was sich mit Daten und Indikatoren alles machen lässt und welchen Nutzen wir davon als Gesellschaft oder als Gruppe haben. Ich denke da an Events zusammen mit den Projektpartner:innen oder künstlerische Performances zusammen mit der ZHdK. Abgesehen davon ist für uns die Zusammenarbeit mit dem Statistischen Amt des Kantons Zürich, der UZH und der ZHdK sehr spannend, um sich besser kennenzulernen und voneinander zu lernen. Schliesslich ist das PDL für mich, wie es der Name sagt, ein Lab, ein Raum für Experimente, in dem ausprobiert, getestet und gelernt werden kann.

«Open Data ist ein sehr abstraktes Thema. Deshalb sind konkrete Anwendungsfälle im PDL umso wichtiger, um den Nutzen von offenen Daten zu zeigen.»

Anna Sigrist


Wo siehst du Herausforderungen?

Nicht nur beim PDL, sondern im Bereich Daten und Digitalisierung generell, sehe ich es als grosse Herausforderung, aus der eigenen Bubble herauszukommen und ein Thema für die Allgemeinheit relevant zu machen. Dafür braucht es viel Übersetzungsarbeit. Gleichzeitig denke ich, dass wir einen Teil dieser Übersetzungsarbeit bereits innerhalb des Projektteams leisten, weil wir aus so unterschiedlichen Disziplinen und Institutionen kommen. Das könnte deshalb unsere Stärke sein und uns die Übersetzungsarbeit nach aussen erleichtern. 


Weshalb sind Open Data so wichtig, zum Beispiel dass die Indikatoren, die im PDL erarbeitet werden, der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden?

Aus verschiedenen Gründen: Wir möchten transparent sein bei dem, was wir machen. Es geht auch um Chancengleichheit: Wenn Daten nur auf Anfrage erhältlich sind, entscheidet stets jemand, wer diese Daten nutzen darf und wer nicht. Der Zugang ist nicht für alle gleich. Ein weiterer Grund ist die Fairness: Alle sollen vom gleichen Wissen profitieren und es nutzen können. Daraus entstehen wieder neues Wissen und ein neuer Nutzen.


Wo liegen die grössten Herausforderungen bei Open Data?

Ich sehe vor allem zwei Herausforderungen: Erstens gibt es viele Geschäftsmodelle und Organisationen, die dem Open-Data-Prinzip widersprechen. Sie nutzen Daten als Währung und nicht als öffentliches Gut. Im Privatsektor ist diese Haltung noch sehr verbreitet. Zweitens ist Open Data ein sehr abstraktes Thema, dessen Nutzen sich nicht immer direkt erschliesst. Dadurch geniesst das Thema selten Priorität und wird auf die lange Bank geschoben. Das bedeutet aber auch, dass konkrete Anwendungsfälle im PDL umso wichtiger sind, um den Nutzen von offenen Daten zu zeigen.


Welche Daten, die im Moment noch nicht öffentlich verfügbar sind, wünschst du dir als Open Data?

Es gibt in fast allen Bereichen noch viel zu tun. Ich arbeite viel im GLAM-Bereich (Galleries, Libraries, Archives and Museums, Anm. der Red.), in dem es viele spannende Daten gibt, die noch nicht öffentlich sind, genauso in der öffentlichen Verwaltung. Welche Daten am dringendsten öffentlich gemacht werden sollten, das lasse ich die Nutzenden entscheiden. Uns ist es wichtiger, den direkten Nutzen von Open Data aufzuzeigen: Was wird alles möglich, wenn ihr eure Daten öffentlich macht? Sie werden zum Beispiel an einem Hackathon oder im Public Data Lab verwendet. Wir setzen auf konkrete Anreize, damit Open Data konsistent umgesetzt wird.

Anna Sigrist ist Co-Geschäftsleiterin von Opendata.ch und Programmleiterin für den GLAM-Sektor. Sie verbindet ihre Berufserfahrung in den Bereichen digitale Transformation und Innovationsmanagement mit einem akademischen Hintergrund in Politikwissenschaft. Dieses Fachwissen nutzt sie nun, um Offenheit, Zugänglichkeit und Fairness in der Schweizer Digitallandschaft zu fördern. Anna interessiert sich besonders für offene Innovation und kollaborative Ansätze, und vereint gerne verschiedene Menschen und Organisationen um eine gemeinsame Vision.